Was ist der Unterschied zwischen CI Corporate Identity und CD Corporate Design?
04 Mai 2016

Was ist der Unterschied zwischen CI Corporate Identity und CD Corporate Design?

Das machen wir in unserer CI? Nein, in unserem CD.

Wenn es um Design geht, hört man oft den Satz „das machen wir in unserer CI“. Das ist aber leider falsch. „Das machen wir unserem CD“, wäre schon richtiger. Gar nicht so einfach. Zeit, mal Licht ins Dunkel zu bringen.

Fangen wir mit der Übersetzung an, „Corporate Identity“ ist die „Firmenidentität“. „Corporate Design“ ist das Design der Firma an sich.

Übertragen auf eine Person heißt das, ihr Aussehen ist ihr Erscheinungsbild und die Identität ist die Person als Ganzes.

Aussehen: Corpus Design vs. Corporate Design

Wie sehe ich aus? Ich habe zwei Beine, zwei Arme, einen Korpus und einen Kopf. Wer mich sieht, identifiziert mich sofort als Mensch.

Bin ich nackt, kombiniert der Betrachter vielleicht „scharf“ oder „verletzlich“. In einem schwarzen Outfit distanziere ich mich visuell und suggeriere Mystik oder bin in Trauer. Trage ich Weiß, gebe ich mir etwas unschuldig-esoterisches oder trage Berufsbekleidung. Ich habe also viele Gestaltungs- und damit auch Kommunikationsmöglichkeiten. Sum ergo sum: ich bin, also bin ich.

Artikel CD/CI: Corporate Design

Identität: Corpus Identity vs. Corporate Identity

Nun treten wir einen Schritt zurück und erfassen das ganze Bild; meine Identität. Das können sehr viele Informationen sein:

Eine Frau mit einer bestimmten Haltung und Ausstrahlung, die sich aus Blick, Ausdruck, Stimme, Sprechweise und Verhalten zusammen setzt. Dazu kommt die Austattung (Bekleidung, Requisiten) und die umgebende Szenerie. Ist die Bekanntschaft nicht neu, kommen persönliche Erinnerungen hinzu und was man über Dritte erfahren hat.

Das ist die wahrgenommene Identität der Person. Cogito ergo sum: ich denke, also bin ich.

Ein Mensch ist keine Puppe und ein Unternehmen ist mehr als ein Logo. Die Corporate Identity ist also Design plus Persönlichkeit plus Umgebung. Wir transportieren das jetzt auf ein Unternehmen.

Das ist Corporate Design

 Das Logo und dessen Varianten für verschiedene Unternehmensbereiche und/oder Tochterfirmen.
 Die Hausfarben und deren Farbvarianten für verschiedene Produkt- oder Unternehmensbereiche.
Die Hausschriften. Die Definition verschiedener Schrifttypen für verschiedene Produkt- oder Unternehmensbereiche.
Das Gestaltungsraster, also die Platzierung und Gewichtung von Logo, Bild und/oder Text. Die Definition von Bildgrößen, Spaltenbreiten, Satzarten und Schriftgrößen. In allen visuellen Medien (am Produkt, in Print, Online, Film), intern und extern. Die Platzierung des Logos ohne Schrift (zum Beispiel an einem Kamin, über einer Tankstelle, an einem Firmenwagen oder an einem Arbeitskittel).
Die gestalterische Definition externer räumlicher Präsentation. Geschäfte, Verkaufs- und Messestände (Architektur).

Nun ist alles konzipiert und ausgearbeitet, das Firmendesign ist komplett. Wir treten einen Schritt zurück und sehen uns das Ganze an.

Das ist Corporate Identity

Nur das Ganze ist die Identität. Nicht ein Logo, nicht ein Foto, nicht ein Produktschild, nicht ein Katalog. Nur das Ganze.

Das was drin steckt, im Design: Wofür das Unternehmen inhaltlich steht, nämlich die Kernaussage (z.B. Kompetenz und Sachlichkeit für IT oder Finanzen).
Die Markenidentität (Versprechen, Argumentationen).
Alle Abteilungen des Unternehmens: Management, Entwicklung, Produktion, Verkauf.
Das geschäftliche Firmenverhalten und geg. sein Engagement.
Interne und externe Kommunikation (Management, Werbung, Public Relations, Vertrieb).
Ausschlaggebend und immer am Kunden – die Produkte.
Die Niederlassungen.
 Die Firmengeschichte des Hauses.
Und nicht zuletzt: seine Kunden.

Das alles. Daraus entwickelt sich die Firmenidentität, basierend auf ganzheitlichem Erleben.

Hier einige Beispiele: Was fällt Ihnen zu diesen Marken ein? Sicher nicht nur ein Logo, sondern viel zu Ruf, Versprechen, Produkt und Historie.

Artikel CD/CI: Logo-Beispiele

Das Corporate Design ist also ein Teil der Corporate Identity. Seine Entwickler haben die anspruchsvolle Aufgabe, die Identität des Unternehmens zu verstehen, einzufangen, sie visuell und inhaltlich zu übersetzen – und ihr Flügel zu verleihen, wie man so schön sagt.

Eine Aufgabe, die alle Unternehmensbereiche und jede Veröffentlichung einbezieht und betrifft. Der Umgang mit Markenidentität und Markenbild ist sehr anspruchsvoll. Er verlangt durchdachte Konzeption, nachhaltige Erfahrung und akademisches Stilbewusstsein.


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Fotos: Mercury, unsplash, Logos von den jeweiligen Unternehmen


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Kommentare
  1. MC-Mediadesign Oktober 16th, 2019 4:55PM

    Schöner Artikel!

    Allerdings sollte man auch beachten, dass die Corporate Identity auch durch das Design bestimmt wird.

    Zum Beispiel verbinden wir mit bestimmten Farben auch bestimmte Werte und Normen, die ja dann wieder zur Identität gehören: Blau verbinden wir unterbewusst mit Vertrauen.

    Das geschäftliche Firmenverhalten würde ich eher dem Corporate Behaviour zuordnen und nicht spezifisch der CI.

    • Barbara Schmitz
      Barbara Schmitz Oktober 20th, 2019 3:43PM

      Lieber Leser,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Genau, so ist es. Corporate Identity umfasst sowohl das Corporate Design (zum Beispiel Farben), als auch Behaviour, Culture, Philosophy und Communication. Das mag jetzt groß klingen – betrifft aber alle. Zum Beispiel das kleine Café bei uns an der Ecke: Es hat ein handgeschriebenes Logo, ist in Braun- und Naturtönen gehalten, ausgestattet mit gebrauchten Möbeln, bietet bio/vegane/glutenfreie etc Speisen und Kuchen an, diverse Milcharten und den coffee-to-go-Becher. Und es finden regelmäßig Vernissagen, Lesungen und andere kleine Veranstaltungen statt. Wow, auch dieses kleine Café hat eine umfassende CI :-)
      Viel Erfolg und frohes Schaffen! Barbara & Stefan

    • MC-Mediadesign Oktober 21st, 2019 7:07PM

      Ah vielen Dank!
      Durch das Beispiel ist es jetzt nochmal deutlicher geworden.

      Ähnlich wie beim Menschen:
      Der Mensch oder das Unternehmen bestehen aus vielen verschiedenen Bereichen, die man zwar trennen kann, aber am Ende alle zusammenlaufen und das Gesamtbild bestimmen.

      Ich denke, dass vor allem kleinere Unternehmen Ihre Corporate Identity entweder gar nicht oder nur unterbewusst lenken.

    • Barbara Schmitz
      Barbara Schmitz Oktober 24th, 2019 3:31PM

      Genau! Und – wir leben in einer Zeit, in der man aber gerade durch Persönlichkeit einen Unterschied machen kann. Der ist auch für kleine Unternehmen wichtig, um sich von den Mitbewerbern abzusetzen.

      Das heißt, der Rückgang der Konventionen kommt dem zeitgemäßen Firmenerscheinungsbild zugute. Zum Beispiel: Ein Buchhalter ist ein eher rockiger Typ, Anzüge und Krawatten sind nicht so sein Ding. Wenn er sich als Selbstständiger nun da rein presst und eine spießige, angepasste Webseite erstellt, ärgert er sich nur, dass er sich aus dem Angebot der angepassten Buchhalter auch noch hervortun soll.

      Gut, dass er dazu keine Lust hat – gut für ihn! Der kleine Kunde sollte also genau das tun, wozu er Lust hat. Das ist authentisch. Das ist echt. Das überzeugt. Damit hebt er sich ab, spricht von den Dingen, mit denen er sich am besten auskennt und hat das richtige Gefühl, was cool ist und was nicht. Eine rockige Webseite – klasse für einen Buchhalter, das fällt im Webkatalog sofort auf. Keine Krawatten tragen, und dabei gut gelaunt, kompetent und überzeugend rüberkommen.

      Die Identität setzt sich aus allen Eigenschaften des Kunden zusammen. Dadurch ist er individuell, auch wenn viele andere das „gleiche“ anbieten. Das Design stellt diese Eigenschaften dar, der Text beschreibt und erläutert sie.

  2. Martin Schmitz Juni 1st, 2017 11:44PM

    Man muss nicht alles wissen, solange man weiß wer’s weiß! :-)

  3. Anonymous Mai 12th, 2017 4:53PM

    Das Thema ist gut verständlich erklärt, danke!

  4. Joerg Etzel Februar 23rd, 2017 6:47PM

    Wieder was gelernt.

  5. FORMGEFLECHT Dezember 11th, 2016 4:49PM

    Schöne Zusammenfassung des Themas – die Begrifflichkeit „CORPUS IDENTITY“ war mir allerdings nicht geläufig.

    • Barbara Schmitz
      Barbara Schmitz Dezember 12th, 2016 9:50AM

      Das freut uns, vielen Dank! Der Begriff „Corpus Identity“ ist individuell, ihn haben wir zum besseren Verständnis für diese Herleitung erstellt. Aber vielleicht setzt er sich ja noch durch …

  6. Jim Jones Dezember 1st, 2016 5:03PM

    Perfekt!

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