Fotograf und Lichtphilosoph: Peter Allert
19 Mai 2015

Fotograf und Lichtphilosoph: Peter Allert

Schlicht einzigartig.

19 Mai 2015

Peter Allert ist Kreativer, Lichtphilosoph, Technikfreak und unerschrocken. Der Fotograf ist Autodidakt? „Ja, absolut!“ Die Fotografie diente ihm anfangs zur Finanzierung seines Molekularbiologie-Studiums.

Aus diesem Nebenerwerb heraus hatte er sich bald mit Partnerin Christine Hoess als Studio Allert & Hoess (1989 – 2002) einen außergewöhnlichen Ruf erarbeitet. Was macht Peter außergewöhnlich?

Wie alle Kreativen weiß er, dass es notwendig ist, Risiken einzugehen. Sonst kommt man nicht weiter.

Werbung? Hartes Geschäft, aber wenn es die eigene Experimentierfreude finanziert… da spricht der Naturwissenschaftler, so läuft‘s in der Forschung.

Peters Lichtmodulation war schlicht und ergreifend einzigartig. Auch wenn er den Begriff persönlich abmildern möchte, er setzt ein „ziemlich“ vor einzigartig. Er hat eine fotografische Welt erdacht, die es vorher so nicht gab.

Seine Technik entwickelte sich zum einen aus der Idee der Mehrfachbelichtung. Statische Kamera, flexibler Fokus, variierende Blenden und unterschiedliche Lichtsetzung, gerne mit Dedo-Lights (Filmlicht) und Segeln – ohne Blitz. Wie kam’s? „Eigentlich war die Polachrome-Serie gar nicht brauchbar. Der Diafilm ist zwar kontrastreich, aber das Bild ist flau. Durch die Mehrfachbelichtung erreichte ich Durchzeichnung in den dunklen und auch in den hellen Bereichen.“ So generierte er im Bild spannende Kontrastverhältnisse und setzte verschiedene Unschärfen. Seine „Peperoni auf Weiß“ für Philip Morris ist beispielsweise 24 Mal belichtet.

Schritt zwei: Labor. Jetzt wurde das Dia auf verschiedenen Materialien hin und her kopiert. Dabei wurden die durch das Licht entstandenen, starken Kontraste und auch die leichten, luftigen Unschärfen angezogen, betont und gefärbt. Nachdem Peter ein Ergebnis erreicht hatte, das ihn zufrieden stellte, zog er das Bild per Kontaktkopie auf Cibachrome ab. Das Motiv war nun „knallig, kontrastreich, plakativ“.art-by-Peter-Allert

Peter hatte das Gefühl, als habe er ein Tor aufgestoßen. Ein Tor zu einer neuen Form der Licht-Kreation.

Ich bin ein emotionaler Mensch und mir ging es darum, Emotion zu kreieren. Wenn mich etwas berührt, dann mache ich das gerne und aus ganzem Herzen. Dann wird’s spannend.

Tag und Nacht experimentierte er im Labor. Wie kann man durch Licht den Laboreffekt verstärken? Wie kann der Laboreffekt Licht und Look modulieren? Dabei protokollierte er alle Abläufe genauestens, um die Reproduzierbarkeit zu gewährleisten. Im Vorfeld zerlegte er das Motiv in partielle Sektoren. Anschließend wurde es konzipiert und umgesetzt. Im Labor folgte dann die „zauberhafte“ Ausarbeitung. Und es wurde gezaubert.

Wer denkt, ich übertreibe, der lasse sich von Peter erzählen, wie seine Kunden auf seine Bilder reagierten: Mit offenem Mund, Schweigen, aufgerissenen Augen und – Credit Swiss zum Beispiel – über jeden Zweifel erhaben, wer aus der hochkarätigen Fotografenauswahl den Auftrag für die Ausschreibung erhält. Pitchmotiv war damals eine Perrier-Flasche gewesen. Sieben Fotografen waren zur Teilnahme eingeladen. Peter präsentierte seine 8×10 inch Cibachrome-Kopie persönlich vor Ort in Zürich.
Perrier-by-Peter-Allert

Zum Zauber: Für Peter, den Technikfreak, war dieses Eintauchen in eine eigene fotografische Welt wie die Kunst des Malers, der mit seinem Pinsel Licht und Schatten setzt. Performance aus dem Herzen. „Wie wenn man im harten Geschäft der Werbung einen Fesselballon losmacht“.

Peter spürte, dass der Markt es hergab, weiter zu experimentieren. Wichtig war, alle Tools perfekt zu beherrschen, um immer weiter gehen zu können. Ohne digitale Bildbearbeitung oder digitale Fotografie, wohlgemerkt. ANALOG schreibt Peter während unseres Gesprächs gerne genussvoll in Großbuchstaben. Immer wagemutiger arbeitete er sich weiter und weiter in die Fotografie ein.

Das daily business. Wie kann es gelingen, eine solch akribische Technik bei einem Werbe-Shooting umzusetzen? Mit Kunden, Creative Directors und dem ganzen Team um sich herum? „Ruhe jetzt, ich mache Licht!“ So zum Beispiel. Luft anhalten, Ruhe.

„Man braucht Disziplin und absolute Verlässlichkeit, um dem Kunden die Leistung zu gewährleisten. Du musst 100% koscher sein, dass Du das auch bringst!“

Krisen? „Die Krisensituation ergibt sich laufend, sie ist Standard, wenn man so ausgefeilt arbeitet. Das muss man an sich ablaufen lassen. Dabei ist man immer alarmbereit und hat eine große Ehrfurcht vor der Fotografie. Die Emotionalität war mir aber immer wichtiger: Das Herz öffnen, weiter machen und wenn das Ergebnis gut ist, strahlt man vor Freude. Das ist mein emotionaler Antrieb.“

Stefan und Peter lernten sich 1997 kennen, Stefan war damals Senior Art Director bei Herrwerth & Partner. Peter war der Mann für Automobil und Still Life flüsterte die Szene, er hatte bereits für die Besten der Besten fotografiert: Audi, Mercedes, Ford… Als Stefan kurz darauf nach Frankfurt zur internationalen Werbeagentur Bates wechselte, kam die erste Zusammenarbeit zustande.

10 Tage Studio, das Model das Seat Ibiza Sondermodell, Aufgabe Fotografie und Postproduction. Stefan war begeistert von dem Prozess, wie sich durch Peters Know-How das Objekt aus der Lichtsetzung heraus entwickelte. Wie seine Bildsprache Markencharaktere herausstellte:

Wenn man Peter Licht setzen sieht, hat man den Eindruck, Licht ist etwas körperliches.

Joop-by-Peter-Allert

Auch in der Automobil-Fotografie arbeitete Peter teilweise mit Mehrfachbelichtung. Stefan schätzte Peters Art, den Prozess auch für ihn als seinen Auftraggeber erlebbar zu machen und sein kreatives Wesen. „Inspirative Zusammenarbeit gab es, aber sehr selten,“ so Peter in der Rückschau. Bei diesen beiden Kreativen dagegen hatte es gepasst. Es folgten weitere Katalog- und Anzeigenshootings und ein dreiwöchiger Trip nach Barcelona, wo der Seat Ibiza in seinem Heimatland in Szene gesetzt wurde.

2000 stieg Stefan als Creativ Director bei der Münchner Agentur Partnerpool ein, damals wuchs die Agentur auf 110 Mitarbeiter. Die Kooperation mit Peter lief weiter, diesmal für Siemens. Zur normalen „Krisensituation“ eines Shootings, das mit einem enormen technischen Aufwand einhergeht, gesellte sich dann 2001 ein einschneidendes Erlebnis. Just im September wollte man für Siemens Surpass im ägyptischen Sandmeer schießen. Die Anschläge vom 11. September machten dem aber einen Strich durch die Rechnung. In Windeseile wurde alles neu organisiert und nun ging es ab nach Fuerte Ventura. Die Belohnung: die Aufnahmen holten Auszeichnungen ein.

Stefan entschied sich 2002, nach einer ausgedehnten Agenturkarriere, für die Selbstständigkeit. Peter bietet weiterhin sehr eigenständige, kreative und hochspannende Fotografie – jetzt natürlich auch digital.

Die neue und aktuelle Webseite peterallert.de
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Polaroid-by-Peter-Allert



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